Jeff Bezos (61) mit seiner Verlobte Lauren Sanchéz (55).

Jeff Bezos (61) mit seiner Verlobte Lauren Sanchéz (55). Foto: picture alliance / Evan Agostini/Invision/AP | Evan Agostini

Jeff Bezos macht Zeitung Vorgaben für Meinungsseiten – Ressortchef reagiert drastisch

Als Bezos die „Washington Post“ kaufte, gab es Warnungen vor Interessenkonflikten. Bezos gab ein Bekenntnis zur redaktionellen Unabhängigkeit der Zeitung ab. Nun mischt er sich auffällig oft ein.

Amazon-Gründer und „Washington Post“-Eigentümer Jeff Bezos nimmt mehr Einfluss auf die redaktionelle Arbeit seiner Zeitung und macht Vorgaben für das Meinungsseitenressort. „Ich schreibe Ihnen, um Sie über eine Änderung auf unseren Meinungsseiten zu informieren“, veröffentlichte Bezos auf der Plattform X ein Schreiben, das er an die Redaktion geschickt habe. 

„Washington Post“-Meinungschef David Shipley tritt zurück

Darin heißt es weiter: „Wir werden jeden Tag schreiben, um zwei Säulen zu unterstützen und zu verteidigen: persönliche Freiheiten und freie Märkte. Natürlich werden wir auch andere Themen behandeln, aber gegensätzliche Standpunkte überlassen wir der Veröffentlichung durch andere.“ Der bisherige Ressortleiter David Shipley habe sich daraufhin entschieden, zurückzutreten, so Bezos.

Bezos untersagt bereits die traditionelle Wahlempfehlung zur US-Wahl

Das Traditionsblatt „Washington Post“ gehört seit 2013 dem Multimilliardär Bezos. Vor der US-Wahl im November hatte er sich gegen eine bereits verfasste Wahlempfehlung für Donald Trumps Kontrahentin Kamala Harris entschieden und damit Kritik innerhalb der Redaktion und in der Leserschaft ausgelöst. 

Anfang des Jahres verließ die US-Karikaturistin und Pulitzer-Preisträgerin Ann Telnaes im Streit über eine ihrer Zeichnungen die „Washington Post“. Auch andere Journalistinnen und Journalisten verließen die Zeitung. Im Januar forderten mehr als 400 „Washington Post“-Mitarbeiter in einem Brief ein gemeinsames Treffen mit Bezos, um über die Führung der Zeitung zu sprechen. Bezos war einer der Gäste bei der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump. 

„Washington Post“ selbst berichtete über Bezos Entscheidung

„Ich bin überzeugt, dass freie Märkte und persönliche Freiheiten das Richtige für Amerika sind. Ich glaube auch, dass diese Gesichtspunkte auf dem derzeitigen Markt der Ideen und Nachrichtenmeinungen nicht ausreichend berücksichtigt werden“, hieß es weiter in Bezos aktueller Nachricht an seine Mitarbeiter. „Ich freue mich darauf, dass wir gemeinsam diese Lücke füllen können.“

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Auch die Zeitung selbst berichtete über die Entwicklungen und schrieb, dass Bezos das Meinungsseitenressort in eine „libertäre Richtung“ lenke. (dpa/mp)

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