Trotz Morddrohungen: Sina kämpft unermüdlich gegen die Welpen-Mafia
Sina Hanke ist vorsichtig geworden. Wo sie lebt, wissen nur wenige. Schon mehrfach hat die 35-Jährige Morddrohungen erhalten. Jedoch will sie die Angst nicht zu ihrem ständigen Begleiter machen. „Die Sorge um die Tiere ist deutlich größer. Ich lasse mich nicht einschüchtern“, sagt sie. Sie ist Tierschützerin und kämpft seit Jahren gegen die Welpen-Mafia. Dutzende Fälle von illegalem Handel hat sie mit ihrem Verein „Animal Care“ bereits aufgedeckt.
Sie war gerade mal 22 Jahre alt, da gründete sie mit einer Freundin den Verein „Animal Care“ in Rellingen (Kreis Pinneberg). Nachdem Sina Hanke monatelang ehrenamtlich in einer privaten Hundestation auf Fuerteventura gearbeitet hatte, wollte sie die Arbeit von Deutschland aus weiter unterstützen. Zudem sorgt „Animal Care“ mit Mitgliedern vor Ort seit Bestehen dafür, dass Straßenkatzen auf Fuerteventura kastriert werden. Und nicht nur dort. Auch auf Mauritius werden im Jahr etwa 1000 Straßentiere kastriert. Und auf Bauernhöfen in Norddeutschland. „Da auch heute noch Katzen auf den Höfen ertränkt werden“, sagt sie.
„Damals ahnte ich nicht, wie kriminell, gefährlich und groß das Ganze ist“
Das Herzstück von „Animal Care“ (254 Mitgliedschaften) ist für sie allerdings der Kampf gegen den illegalen Welpenhandel. Das erste Mal kam die studierte Biologin in ihrem Job mit dem Thema in Berührung. Sina Hanke war Tierschutzberaterin beim Hamburger Tierschutzverein und kümmerte sich um Fälle von misshandelten Tieren und schlechter Haltung. „Damals ahnte ich nicht, wie kriminell, gefährlich und groß das Ganze ist.“ Sie sah das erste Mal Hundebabys, die unter schlimmsten Bedingungen gehalten wurden. Besonders während der Corona-Zeit florierte das Geschäft der illegalen Welpenhändler. „Jeder wollte ein süßes Hundebaby haben. Ich war nur noch damit beschäftigt. Beruflich und auch bei ,Animal Care‘ kamen jeden Tag Hinweise.“ So viele, dass sie ihren Job aufgab und sich seitdem als einzige Hauptamtliche mit einer Halbtagsstelle nur noch um ihren Verein kümmert.
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Mittlerweile weiß sie genau, wie die Welpen-Mafia arbeitet. In Osteuropa würden die Tiere in Vermehrerstationen, in denen Hunderte Muttertiere in kleinen Käfigen gehalten werden, extra für den Handel im Ausland produziert. „Die sind todkrank, viel zu klein, viel zu früh von der Mutter getrennt.“ In der Regel kommen sie mit vier bis fünf Wochen nach Deutschland, nicht wie vorgeschrieben nach 16 Wochen. „Viele Welpen überleben nicht mal den Transport. Oder sterben direkt nach der Ankunft.“ Die Tiere leiden an Parvovirose. Eine hochansteckende Infektionskrankheit. „Der Darm löst sich auf, hinten und vorne kommt nur noch Blut raus“, sagt Sina Hanke. Für die Tierschützerin „ganz furchtbare Momente“, wenn sie die kleinen Fellbündel im Arm hält, bis sie ihren letzten Atemzug getan haben.

In Polen würden die Hunde für 50 Euro eingekauft, in Deutschland für bis zu 3000 Euro verkauft. „Käufer müssen nicht denken, dass sie illegale Welpenhändler erkennen, weil der Preis so niedrig ist.“ Auf Verkaufsplattformen im Internet präsentieren sich die Händler hochprofessionell. Als Hobbyzüchter. Die Anzeigen sind fehlerfrei verfasst, die Fotos zeigen süße Tiere mit ihren Müttern. Selbst die geschulten Mitglieder von „Animal Care“ erkennen häufig nicht direkt, ob es sich um die Welpen-Mafia handelt.

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Für die Verkäufe würden die Täter extra Wohnungen anmieten und Frau und Kinder reinsetzen. „Vor Ort erwarten uns dann häufig Welpen und die angebliche Mutter. Das perfekte Familienleben. Nur, dass die Hündin kein Gesäuge hat.“ Mehr als 400 Fälle hat Sina Hanke in Norddeutschland bereits bearbeitet. Für jeden Fall wird über Monate recherchiert und dokumentiert. Die Tierschützer machen etliche Testkäufe. „Mal mit schwarzer Perücke, mal mit blonder. Ich muss mich verkleiden, weil die Händler mich mittlerweile gut kennen.“
„Welpenhandel ist das lukrativste Geschäft nach Drogen- und Waffenhandel“
Der jüngste Fall ereignete sich in Rellingen. In einer gutbürgerlichen Wohngegend hielt ein Hausbesitzer die Tiere bei eisigen Temperaturen in einem Gartenschuppen. „Die Tiere waren in erbärmlichem Zustand und die Leute haben sie trotzdem für 2000 Euro in bar gekauft.“ Der Verein übergab die Beweise an die Polizei. Das LKA rückte an, durchsuchte das Haus und stellte drei Welpen sicher. Mindestens 91 Tiere habe der Mann, der zu einem Händler-Ring gehörte, verkauft.
Die Hoffnung auf eine angemessene Strafe hat sie nicht. In der Regel würden die Täter mit wenigen Hundert Euro wegen illegalem Import und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz davonkommen. „Die Täter müssen härter bestraft werden. Der Welpenhandel ist das lukrativste Geschäft nach Drogen- und Waffenhandel.“ Mehrfach war Sina Hanke bereits als Zeugin vor Gericht. Gegen die Täter aussagen – da muss sie nicht drüber nachdenken. Obwohl sie schon mehrfach Nachrichten wie „Du wirst sterben“, „Das wirst du bereuen“ oder „Das waren deine letzten Worte“ bekommen hat. „Ich lebe nicht in Todesangst, aber das macht was mit mir, wenn ich Morddrohungen bekomme.“ Trotzdem: Sie macht weiter. Das Leid der Tiere sei unerträglich, manche Dinge so schlimm, dass sie nicht darüber sprechen könne. „Dafür gibt es keine Worte.“

Filialleiter: „Mit viel Herzblut und echtem Engagement“
Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung.
Um „Animal Care“ zu helfen, hat die Haspa Rellingen eine Filialpatenschaft übernommen. Leiter Norbert Zobel ist begeistert von dem Verein. „Schon die erste Begegnung machte sofort klar, mit wie viel Herzblut und echtem Engagement Sina dabei ist.“ Die Vorsitzende würde pausenlos für ihren Verein im Einsatz sein. Norbert Zobel freut sich auf die weitere Zusammenarbeit. Als nächstes präsentiert „Animal Care“ seine Arbeit bei einer Ausstellung in der Filiale. Unter anderem wird ein Film des Vereins über den Welpenhandel gezeigt.

Darüber hinaus bekommt der Verein auch finanzielle Unterstützung. „Wir brauchen für die Welpenhandel-Recherche dringend ein Laptop und eine Kamera mit Equipment“, sagt Sina Hanke. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.
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