US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch ein globales Zollpaket vorgestellt, das den Welthandel vollständig durcheinander bringen könnte.

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch ein globales Zollpaket vorgestellt, das den Welthandel vollständig durcheinander bringen könnte. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

So reagiert die Welt auf Trumps beispielloses Zollpaket

Ob die EU oder Großbritannien, China oder Taiwan: Präsident Donald Trump verhängt umfassende Zölle gegen nahezu sämtliche Handelspartner der USA weltweit. Die reagieren bestürzt. Dafür, dass ausgerechnet Russland auf der Liste fehlt, gibt es keine überzeugende Erklärung.

Die EU bereitet nach der Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump Gegenmaßnahmen vor, will aber gesprächsbereit bleiben. „Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Gleichzeitig appellierte sie an die US-Seite, sich auf Gespräche einzulassen. Ziel müsse es sein, Handelshemmnisse abzubauen und nicht, sie zu erhöhen.

Zu den Entscheidungen Trumps sagt von der Leyen, die Universalzölle gegen die ganze Welt seien ein schwerer Schlag für die Weltwirtschaft, und es seien immense Folgen zu erwarten. „Millionen von Menschen werden mit höheren Lebensmittelrechnungen konfrontiert sein. Medikamente werden teurer, ebenso der Transport. Die Inflation wird ansteigen. Und dies schadet vor allem den wirtschaftlich schwächsten Bürgern“, sagte sie.

Japan nennt Trumps Zollpaket „äußerst bedauerlich“

Auch in Japan ist das von US-Präsident Trump angekündigte gewaltige Zollpaket auf große Besorgnis gestoßen. Man habe der amerikanischen Seite gesagt, dass die Maßnahmen „äußerst bedauerlich“ seien, sagte Regierungssprecher Yoshimasa Hayashi zu japanischen Journalisten. Man habe „nachdrücklich gebeten“, die Maßnahmen zu überdenken. Trumps Regierung will neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern einführen. Hinzu kommen individuelle Strafabgaben – im Falle der Hightech-Nation Japans sind es 24 Prozent.

Zur Frage möglicher Vergeltungsmaßnahmen wollte sich Handelsminister Yoji Muto vor der heimischen Presse nicht konkret äußern. Man werde abwägen müssen, was dem nationalen Interesse Japans dienlich sei, wurde er zitiert.

China droht Trump mit Gegenmaßnahmen

China hat den USA nach der Verkündung weiterer Zölle durch Präsident Donald Trump mit Gegenmaßnahmen gedroht. Die Volksrepublik habe die Ankündigung wechselseitiger Zölle zur Kenntnis genommen und lehne diese entschieden ab, teilte das Handelsministerium in Peking mit. China werde entschlossen Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine Rechte und Interessen zu schützen.

Bereits vor der Ankündigung hatten die USA Waren aus China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, mit 20 Prozent Zöllen belegt, worauf Peking mit eigenen Maßnahmen reagierte. Nun treffen die Volksrepublik zusätzlich Aufschläge von 34 Prozent, was die Zollbelastung für viele Produkte aus Fernost in Summe auf mehr als 50 Prozent steigen lässt.

Die wechselseitigen Zölle, die auf „subjektiven und einseitigen Einschätzungen der USA“ beruhten, stünden nicht im Einklang mit den internationalen Handelsregeln, kritisierte das chinesische Handelsministerium. „Rechte und Interessen der betroffenen Parteien“ würden untergraben, es handele sich um eine „typisch einseitige Art der Schikane“. Die Behörde forderte die US-Regierung auf, ihre Zölle unverzüglich aufzuheben und Differenzen im Dialog zu lösen.

Taiwan will mit Washington hart verhandeln

Die USA sind für Taiwan ein wichtiger Partner. Doch das schützt die Insel nicht vor Donald Trumps Zöllen. Taiwan hat die neu verkündeten Zölle der USA unter Präsident Donald Trump als „höchst unangemessen“ bezeichnet. Das Regierungskabinett halte die Einführung von Aufschlägen in Höhe von 32 Prozent gegen Waren aus der ostasiatischen Inselrepublik für „bedauerlich“ und wolle mit Washington hart verhandeln, teilte der Exekutiv-Yuan mit.

Der Zollsatz spiegele die tatsächliche Lage im Handel zwischen Taiwan und den USA nicht korrekt wider und sei unfair gegenüber Taiwan, sagte Kabinettssprecherin Michelle Lee. Ministerpräsident Cho Jung-tai wies ihr zufolge das Büro für Handelsverhandlungen an, die unfairen Aspekte der Zölle zu überprüfen und eine Erklärung der US-Seite einzuholen. 

Taiwan erhebt 64 Prozent auf US-Einfuhren. Das für seine Hightech-Produkte bekannte Land ist der siebtgrößte Handelspartner der USA. Im Jahr 2024 stiegen die Exporte in die USA um 32,5 Prozent. Trumps Politik ignoriere, dass sich der taiwanisch-amerikanische Handel ergänzten und Taiwans Exportanstieg auf die steigende US-Nachfrage nach Halbleitern und Produkten im Bereich Künstliche Intelligenz zurückzuführen sei.

Großbritannien hofft auf „das beste Abkommen“

Die britische Regierung hofft weiterhin auf ein besonderes Handelsabkommen mit den USA. Die erste Reaktion auf die Strafzölle von Donald Trump ist entsprechend zurückhaltend. Es werde eindeutig wirtschaftliche Auswirkungen geben, „sowohl hier als auch weltweit“, sagte Premierminister Keir Starmer. „Aber, um es glasklar zu sagen: Wir sind vorbereitet.“ Eine der „größten Stärken dieser Nation ist unsere Fähigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren“. Man werde „für das beste Abkommen für Großbritannien kämpfen“

Anders als für die Länder der Europäischen Union, deren Exporte in die Vereinigten Staaten ab kommender Woche mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden, sind für Großbritannien 10 Prozent fällig. Das Vereinigte Königreich ist seit Januar 2021 nicht mehr Teil des EU-Binnenmarktes und der Zollunion.

Ausgerechnet Russland fehlt auf der Zoll-Liste

Die von US-Präsident Donald Trump verkündeten Strafzölle treffen eine Liste von 185 Handelspartnern – Russland fehlt darauf, im Gegensatz etwa zur Ukraine. Zur Erklärung führte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt der US-Nachrichtenseite „Axios“ gegenüber an, dass Russland nicht berücksichtigt wurde, weil US-Sanktionen bereits „jeden bedeutenden Handel ausschließen“.

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Der Handel zwischen Russland und den USA schrumpfte nach Daten des United States Census Bureaus im Vergleich zu der Zeit vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine tatsächlich stark zusammen – von rund 36 Milliarden US-Dollar an Ein- und Ausfuhren von Waren im Jahr 2021 auf rund 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Neben den bestehenden US-Sanktionen gegen Russland drohte Trump vor Kurzem auch damit, die Käufer russischen Öls mit Strafzöllen zu belegen.

Trumps Zollpaket betrifft auch Kanada und Mexiko nicht

Dabei liegt Russland in der Handelsbilanz der USA bei Warenimporten aber immer noch vor der Ukraine. Der US-Statistikbehörde nach kamen im Jahr 2024 Waren im Wert von rund 3 Milliarden Dollar aus Russland in die USA – im Vergleich zu einem Wert von etwa 1,2 Milliarden Dollar aus der Ukraine. 

Für die Ukraine sollen laut Trumps Zoll-Liste Strafzölle von 10 Prozent fällig werden. Die Liste führt auch kleine, nicht unabhängige Gebiete wie Tokelau im Südpazifik oder Gibraltar auf.

Die großen Handelspartner der USA, Kanada und Mexiko, sind ebenfalls nicht auf der Liste zu finden. Leavitt bestätigte gegenüber „Axios“, dass dies daran liege, dass Trump bereits pauschale Zölle in Höhe von 25 Prozent auf beide Länder eingeführt hatte. Kurz nach ihrem Inkrafttreten gewährte er einen einmonatigen Aufschub für bestimmte Produkte. (dpa/mp)

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