Mehr Platz für Radler: Hamburger Verkehrsachse wird einspurig
Mit circa 6,5 Kilometern, von Altona-Nord bis Stellingen, ist die Kieler Straße eine der längsten Ausfallstraßen in Hamburg: Sechsspurige Teilstrecken werden zu Abschnitten mit vier oder sogar nur zwei Spuren. Der Fuß- und Radverkehr hingegen ist in der Straße bisher vernachlässigt worden. Jetzt soll ein Teil radikal umgebaut werden.
Konkret geht es dabei um den Abschnitt ab der Anschlussstelle Stellingen von der A7 bis zum Eidelstedter Platz in beide Richtungen. Hier soll die „Attraktivität des Fuß- und Radverkehrs sowie die Zuverlässigkeit des Busverkehrs gesteigert“ werden. Das geht aus einem gemeinsamen Antrag der Grünen- und SPD-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft hervor. Zuerst hatte das „Abendblatt“ berichtet.
Eidelstedt: Kieler Straße soll beidseitig einspurig werden
Ziel ist es, den Autoverkehr langfristig um 20 Prozent zu reduzieren und die Verkehrsfläche auf dem Teilstück neu zu verteilen. Die Parteien fordern, dass „der Autoverkehr für eine Spur pro Richtung geplant wird, die Fußwege verbreitert werden, die Radwege ausgebaut sowie Protected Bike Lanes geprüft“ werden. Dabei handelt es sich um Spuren für den Radverkehr, die nicht nur mit Farbe, sondern auch baulich vom restlichen Verkehr getrennt sind. Beispiele dafür sind der Dammtordamm am Stephansplatz und die Hannoversche Straße in Harburg.

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Derzeit gibt es auf dem Straßenabschnitt zwei Autospuren pro Richtung, die in zwei „unechte“ Fahrspuren übergehen. Das bedeutet, dass diese nicht mehr klar voneinander getrennt sind. Die Radwege sind ebenfalls sehr unbeständig: Mal gibt es sie nur in Miniaturgröße mitten auf dem Bürgersteig, mal sind sie frisch gepinselt und bieten ordentlich Platz.
Eidelstedt: Schwierige Situation für Radfahrer auf der Kieler Straße
„Das ist die reinste Mondkraterlandschaft“, berichtet der 53-jährige Andreas Steinhardt aus Altona. Er ist oft hier mit dem Fahrrad unterwegs. „Es ist lebensgefährlich, weil man dauernd über Löcher oder Baumwurzeln fahren muss.“ Mit einem neuen Radweg auf der Straße würde er sich aber nicht sicherer fühlen. „Zusammen mit den Autos habe ich das Gefühl, als hätte man keine Chance, bei einem Unfall zu überleben.“ Der Gitarrenlehrer fordert dafür mehr Straßen nur für Fahrräder.

Radfahrer Heiner Dankhoff (21) aus Eimsbüttel zeigt sich hingegen begeistert von der Idee. „Das wäre super. Ich fahre sowieso lieber auf den Straßen, weil die besser gepflegt sind als die Bürgersteige. Hier auf der Kieler Straße gibt es sehr viele Löcher auf den Radwegen.“ Die Autofahrer würden zudem besser auf Fahrräder achten als die Fußgänger.

Kurzfristig soll auch eine Pop-Up-Bikelane, also ein farblich markierter Radweg, geprüft und umgesetzt werden. Rot-Grün fordert außerdem, „genügend Raum für einen attraktiven Busverkehr“. Intelligente Ampelschaltungen sollen den Fahrfluss erhöhen.
Eidelstedt: Noch mehr Stau auf der Kieler Straße?
Mehr als 33.000 Fahrzeuge, darunter viele Lkw, rollen an Werktagen über die Kieler Straße – und stehen dabei auch öfter mal im Stau. „Wenn wir morgens im Berufsverkehr aus unserer Garage hier fahren wollen, kommen wir immer direkt in den Stau rein“, berichten die Anwohner Andreia Castanheira und René Vogel. „Wenn das hier einspurig wird, dann wäre das eine absolute Katastrophe.“ Fußgänger und Radfahrer kämen sich auf der Kieler Straße aber ebenfalls oft in die Quere. „Wenn mir ein Radfahrer entgegen kommt, muss ich manchmal in den Busch springen, weil die so weit rauswachsen“, so Castanheira.

Die SPD begründet ihren Antrag damit, dass der Ausbau der A7 in diesem Bereich den Ausweichverkehr über die Kieler Straße zwar reduzieren würde – aber eben nicht genug. „Wir wollen den Verkehrsanteil von ÖPNV, Fuß- und Radverkehr bis 2030 auf 80 Prozent erhöhen. Dazu müssen Verkehrsalternativen sicher und attraktiv gestaltet werden“, sagt Martina Keppen, stadtentwicklungspolitische Sprecherin. Mit dem Umbau komme die Kieler Straße bald wieder in Bewegung.
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