Wunderbarer Elbblick futsch: Privatisiert! Statt Gastro für alle – Kantine für wenige
Ottensen –
Den Hamburgern geht ein spektakulärer Blick vom Elbhang auf die Elbe wohl für immer verloren: an der Rainvilleterrasse in Ottensen wird es keine Gastronomie mehr geben und auch keinen offenen Zugang zum Elbhang. Dabei entstand dort 1798 Hamburgs allererstes Restaurant!
Die Gastronomie ist im Gebäude seit einem Jahr raus. Doch bisher dachten alle, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein neues Gastronomie-Konzept einzieht. Doch der Eigentümer der alten Seefahrtsschule hat nun offenbar andere Pläne mit dem Gebäude. Es soll als Teil des Campus Rainvilleterrasse genutzt werden, und zwar als private Kantine für Mitarbeiter und Studierende.
Im vergangenen Jahr hatte das Restaurant „Rainvilles Elbterrassen“ samt Hotelbetrieb dort geschlossen. Die Räume sind Teil der alten Seefahrtschule, die Architekt Meinhard von Gerkan der Stadt vor Jahren für 16,5 Millionen Euro abkaufte. Eigentlich war damals vereinbart worden, dass immer ein Teil des Gebäudes für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Jetzt kommt es anders.
Ottensen: Rainvilleterrasse nicht mehr öffentlich
SPD und FDP hatten in der Bezirksversammlung noch einen Antrag eingebracht, um das zu ändern. Ihre Forderung: „Lösungen zu suchen, wie eine öffentliche Nutzung der Terrasse und der Besuch der zukünftigen Gastronomie/Kantine weiterhin gewährleistet werden kann.“ Doch Grüne und CDU lehnten den Antrag mit ihrer Mehrheit ab.
Dazu FDP-Fraktionschefin Katarina Blume: „Wir wünschen uns, dass der Eigentümer, ein renommiertes Hamburger Architektenbüro, das große öffentliche Interesse anerkennt und ein neues Konzept entwickelt.“ Damit weiterhin alle Hamburger den Ausblick genießen können. Doch der Zug scheint abgefahren zu sein.
Seefahrtschule Hamburg: Gerkan kaufte Gebäude
Dabei hatten Gerkan, Marg und Partner (gmp) bisher eine ganz andere Sicht der Dinge. Die gmp-Stiftung hatte den historischen Bau durch schonende Renovierung erhalten. Und in den oberen Stockwerken eine Architektur- und Design-Akademie eröffnet.
Damals betonte gmp noch: „Die kulturellen Veranstaltungen und die zur Elbe orientierten Rainvilles Elbterrassen mit Restaurant und Hotel binden das Baudenkmal in das öffentliche kulturelle Leben des Stadtviertels ein und geben den Parkanlagen am Elbberg ihren Herzschlag zurück.“ Doch nun scheint sich der Wind gedreht zu haben.
Hamburger Tradition: Erstes Restaurant von Rainville
Damit geht eine lange Hamburger Tradition zu Ende: Im Jahr 1798 eröffnete César Lubin Claude de Rainville am Elbufer, der heutigen Elbchaussee, das erste Restaurant Hamburgs und wurde damit zum Namensgeber der heutigen „Rainvilles Elbterrassen“.
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