„Anderen Beruf möchte ich nicht haben“: Ein Hadag-Kapitän verrät, was er verdient
Über Geld spricht man nicht? Oh doch! Wir machen jede Woche mit Menschen aus Hamburg den Kassensturz. Heute verrät ein Schiffsführer (26) der Hadag, was man so verdient, wenn man Fährgäste über die Elbe bringt.
Manchmal, wenn ich so in meinem Ruderhaus auf der Hadag-Fähre stehe und die Sonne geht gerade auf oder unter, da denke ich, dass ich echt den schönsten Job der Welt habe. Klar, mein Hafenpatent gilt, wie der Name schon sagt, nur für den Hafen, aber trotzdem: Auf der Fähre bin ich der Kapitän, ich alleine treffe die Entscheidungen und habe die Verantwortung für die Fahrgäste. Wenn das Schiff voll ist, sind das 250 Menschen. Ich sage immer: Ich transportiere die wertvollste Fracht der Welt.
Auf diese Tage freue ich mich besonders
Es gibt ja Leute, die denken, es muss doch langweilig sein, mit der Fähre immer dieselben Strecken zu fahren, tagein, tagaus. Die haben keine Ahnung: Jeder Tag ist anders, schon wegen des Wetters muss man immer auf Zack sein. Bei Nebel etwa, das ist der Wahnsinn, da fährt man ins Nichts, so fühlt es sich an. Da sieht man manchmal die Sitze der Passagiere nicht und der Anleger taucht erst auf, wenn man tatsächlich anlegt. Da fahren wir mit Radar, dafür braucht man Können und Erfahrung, auf solche seltenen Tage freue ich mich richtig.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:
- An die Waffen!? Wie junge Hamburger über die Wehrpflicht denken
- Mein Leben mit dem Trump-Irrsinn: Eine Hamburgerin in Washington D.C.
- Rahlstedterin nimmt 50 Kilo ab: Wie Sabine Jenß das geschafft hat
- Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag
- 20 Seiten Sport: HSV-Trainer Polzin privat wie nie & St. Paulis Leader spricht Klartext
- 20 Seiten Plan7: „Best of Musicals“ in der Neuen Flora, wie Alfons für die Demokratie kämpft & die besten Kultur-Events der Woche
Nervig kann es manchmal im Sommer werden, wenn zu viele Menschen an Bord drängen und nicht wieder runtergehen, obwohl ich Durchsagen mache. Ich kann halt nur so viele Menschen mitnehmen, wie wir Rettungsmittel dabei haben. Wenn gar nichts mehr geht, rufen wir auch schon mal die Polizei.
So lief die Ausbildung
Ich habe eine dreijährige Ausbildung zum Schiffsführer, dazu das Hafenpatent und den Personenbeförderungsschein. Ich darf alles an kleinen Schiffen im Hafen fahren, ich könnte auch bei Hafenrundfahrten anheuern oder ein Baggerschiff steuern. Wem der Hafen zu klein wird, der kann ein Unionspatent machen, das gilt dann für alle Binnenschifffahrtsstraßen.
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Ich verdiene 3788 Euro/Grundgehalt im Monat, plus Zulagen für Spätschichten und Wochenenden. Zu meinem Verdienst kann ich sagen: Für die große Verantwortung, die wir tragen, finde ich ihn zu gering, darum haben wir uns kürzlich am Verdi-Streik beteiligt. Einen anderen Beruf aber möchte ich nicht haben. Wer einmal in diesem maritimen Leben angekommen ist, der will das nicht mehr aufgeben.
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