• Am 11. Juli feiert Heiner Bremer seinen 80. Geburtstag.
  • Foto: dpa / Ulrich Perrey

Hamburger Journalisten-Legende: „Ich war immer Dienstleister“

Heiner Bremer wird am Sonntag 80 Jahre alt. Er war Chefredakteur beim „Stern“, entwickelte und leitete das „RTL Nachtjournal“ und moderierte die Polit-Talkshow „Das Duell bei n-tv“. Immer schon bezeichnete er sich als liberalen Geist, der sein Publikum zum Nachdenken bewegen will.

Trotz seiner Bekanntheit, weiß man über den Privatmann Bremer nur wenig. Und genau das ist seine Absicht. „Ich habe eine Grundüberzeugung: Die heißt, als Journalist – und besonders als Fernsehjournalist – sollte man sich selbst sehr zurücknehmen und sich nur als Dienstleister am Leser oder Zuschauer verstehen“, sagt Bremer im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. „Meine Frau würde sagen, du bist ja alles Mögliche, aber eitel bist du nicht.“

Bremer wird am Sonntag 80 Jahre alt und ist seit 1969 mit Christl Rehmenklau-Bremer verheiratet, sie leben in Hamburg. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder und mehrere Enkelkinder. Doch Bremer gesteht zu, dass „ein gewisses Maß an Ego schon dazu gehört, überhaupt vor der Kamera zu agieren und sich gegebenenfalls auch mal zu blamieren.“

Seine Schulzeit in den 50ern prägt Heiner Bremer

Inzwischen gehört der 1941 in Pinneberg geborene Bremer zu den wenigen Deutschen, die sich noch an Bombenalarm und Luftschutzkeller, an Steckrübenzeiten, Einquartierungen und britische Panzer erinnern können. Geprägt habe ihn jedoch der Besuch des Gymnasiums in den 1950er Jahren, sagt er. „Irgendwann habe ich begriffen, dass eine Mentalität, die das Nazi-Reich groß gemacht hat, keineswegs ausgerottet war. Es gab eine Menge Lehrer, die nur mühsam kaschieren konnten, dass sie das Prinzip von Befehl und Gehorsam auch in der Schule ausübten.“

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Auf der anderen Seite verdanke er einem „wahnsinnig toleranten Deutschlehrer, der alle gut begründeten Meinungen gelten ließ“ und einem Geschichtslehrer, „der immer wollte, dass man nachfragt“, dass sich sein Denken eigenständig und offen entwickeln konnte. Bald gab er eine „rebellische und freche“ Schülerzeitung mit heraus.

Dann absolvierte Bremer, Fan großer Romane und Kenner klassischer Musik, ein Jurastudium samt Referendarzeit und zweitem Staatsexamen. „Ich dachte mir, wenn ich als Journalist scheitere, kann ich wenigstens noch Grundbuch-Richter im Amtsgericht Hamburg-Altona werden“, erinnert er sich. Wichtig für ihn wurde auch sein aktives Engagement in der FDP, aus der er mittlerweile aber längst ausgetreten ist. „Ich habe dabei gelernt, wie Parteien ticken, wie Machtspiele laufen. Und sie ticken alle gleich“, sagt Bremer.

Tätergeneration? Bremer hegt keine Wut gegen den Vater

Woran andere litten – die Auseinandersetzung mit der Tätergeneration der Väter –, fiel für Bremer weitgehend aus. Denn früh habe er die liberalen Haltungen in seiner Familie gesehen und auch bei seinem Vater über die erzwungene Kriegsteilnahme hinaus nichts Verwerfliches erkennen können. „Ich gehöre nicht zu denen in meiner Generation, die mit ihren Vätern abrechnen mussten. Kann sein, dass mir das eine gewisse innere Freiheit gegeben hat – ich hatte jedenfalls nichts auf dem Buckel mitzutragen“, sagt er.

Ministerpräsident Uwe Baschel (CDU) nach einer Sitzung der CDU-Landtagsfraktion am 15.09.1987 in Kiel. dpa-Bildfunk
Ministerpräsident Uwe Baschel (CDU) nach einer Sitzung der CDU-Landtagsfraktion am 15.09.1987 in Kiel.
Ministerpräsident Uwe Baschel (CDU) nach einer Sitzung der CDU-Landtagsfraktion am 15.09.1987 in Kiel.

Nach dem Examen ging Bremer, angeworben von Medienlegende Henri Nannen, zum damals sehr politischen Magazin „Stern“. In 19 Jahren schaffte er es vom Redakteur in die Chefredaktion. Er verantwortete 1987 die Entscheidung, ein in einem Genfer Hotelzimmer aufgenommenes Foto des toten Schleswig-Holsteinischen Ex-Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU) auf die Titelseite zu hieven. Das machte Auflage, aber Bremer erhielt auch viel Kritik. „Es war für mich immer legitim, dass darüber diskutiert wird“, sagt er der dpa, „doch der Genfer Vorgang hat sich ja eingeordnet in ein ganzes Spektakel in Kiel mit dem Ehrenwort von Barschel. Das muss man auch authentisch bebildern können.“ Und die Hotelzimmertür sei nicht abgeschlossen gewesen.

Heiner Bremer wechselt ins noch junge Privatfernsehen

Nach einigen Jahren als Kommunikationschef beim konservativer ausgerichteten Axel-Springer-Verlag ging der Journalist zum damals noch jungen Privatfernsehen. Zuvor, 1981, hatte Bremer beim Berliner Verlag Olle & Wolter noch das aufsehenerregende Buch „Geisel Europas“ zum Thema Atomwaffen veröffentlicht.

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Von 1993 bis 2004 entwickelte und leitete er dann in Köln für den Sender-Manager Helmut Thoma das bis heute beliebte „RTL Nachtjournal“. Bis 2016 präsentierte er beim Nachrichtensender n-tv die Talkshow „Das Duell bei n-tv“. Zu Bremers Ausscheiden mit fast 75 Jahren würdigte dessen Geschäftsführer Hans Demmel sein Wirken mit den Worten: „Heiner Bremer ist eine der politischen Instanzen in Deutschland.“ (dpa/jd)

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