S-Bahn fährt über eine Brücke

Gegenüber vom S-Bahnhof Hochkamp erwägt die Sozialbehörde eine Flüchtlingsunterkunft. Foto: Florian Quandt

Villen-Verein stoppt Flüchtlingsheim im Nobelviertel

Eine kleine Flüchtlingsunterkunft auf dem Park&Ride Parkplatz an der S-Bahnstation Hochkamp: Dieses Vorhaben kann die Stadt jetzt beerdigen. Die Bewohner des gleichnamigen Villenviertels im Hamburger Westen haben dank einer über 100 Jahre alten Klausel mehr Rechte als andere Nachbarschaften – und sie haben die Sozialbehörde nun abblitzen lassen. Die Stadt ist gegenüber dem Verein der Superreichen machtlos.

Staatsrätin Petra Lotzkat von der Sozialbehörde traf sich am Mittwoch mit den Mitgliedern des „Vereins Hochkamp“, um die Idee der Stadt vorzustellen: eine kleine Unterkunft auf dem Parkplatz an der Bahnstation. „Die Gesprächsatmosphäre war dabei ruhig und es fand eine sachliche Diskussion der Überlegungen mit den Mitgliedern des Vereins statt“, so Behördensprecher Wolfgang Arnhold. Mehrere Dutzend Vereinsmitglieder waren gekommen. Später, unter sich, stimmten die Eigentümer der großzügigen Hochkamp-Anwesen ab – und teilten der Behörde das Ergebnis mit: „Es fand sich keine Mehrheit für die Schaffung eines Standortes.“

Hochkamp in Hamburg: Einzig Villenbebauung ist erlaubt

Damit hat sich das Projekt „Flüchtlinge im Millionärsviertel“ erledigt, denn: Für die parkartigen Grundstücke mit den Gründerzeitvillen gilt die „Hochkamp-Klausel“, die es in dieser Form nur in diesem supervornehmen Wohngebiet mit seinen 320 Grundstücken gibt – und die der Stadt die Hände bindet. Die Klausel, die sogar in den Grundbüchern steht, stellt sicher, dass die Anmutung des Nobelquartiers noch heute so exklusiv ist, wie es vor mehr als 100 Jahren entworfen wurde: Die großen Gärten dürfen nicht geteilt werden, Nachverdichtung, Gewerbe, alles verboten. Flüchtlingsheime natürlich auch. Einzig Villenbebauung ist erlaubt.

Das Villenviertel Hochkamp mit parkähnlichen Grundstücken entstand Ende des 19. Jahrhunderts Anke Geffers
Villa Hochkamp
Das Villenviertel Hochkamp mit parkähnlichen Grundstücken entstand Ende des 19. Jahrhunderts

Über die Einhaltung der Klausel wacht der mächtige, im Rest der Stadt weithin unbekannte, „Hochkamp Verein“, der sogar über dem Bezirksamt steht: Wenn das Bauamt Altona einem Eigentümer eine Baugenehmigung erteilt, muss der trotzdem noch den Verein um Erlaubnis fragen. Was der Millionärsverein ablehnt, wird nicht gebaut, da kann sich die Stadt auf den Kopf stellen. Die Klausel gilt auch für das Grundstück an der Kronprinzenstraße, das derzeit als Parkplatz dient.

Privileg gegenüber der Stadt

Das Privileg gegenüber der Stadt haben die Entwickler des Gebietes sich schon um 1900 gesichert, als private Investoren auf Ackerland elegante Anwesen für die Hamburger Upper Class errichteten. Seitdem hat die Stadt in den stillen Straßen mit den alten Bäumen städtebaulich nicht viel zu melden. Hochkamp ist kein Stadtteil, sondern der Name, den die damaligen Immobilienentwickler sich ausgedacht haben, ein bisschen so wie „Hollywood“ in Los Angeles. Hochkamp liegt halb in Nienstedten, halb in Osdorf.

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Im nahen Flottbek, wo derzeit ebenfalls auf einem Parkplatz eine kleine Flüchtlingsunterkunft errichtet wird, setzte die Stadt sich gegen den Widerstand einiger gut betuchter Anwohner durch, doch auf Hochkamp, nur eine S-Bahnstation weiter, muss die Sozialbehörde die Segel streichen: „Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind eindeutig“, so Behördensprecher Arnhold: „Eine Entwicklung des Standorts wäre nur bei Zustimmung des Vereins möglich gewesen.“

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