Jetzt sitzt Tschentscher in der Elbtower-Falle
Bleibt der Elbtower eine Ruine? Die Zweifel von Milliardär Klaus-Michael Kühne bewertet man in Hamburgs Behördenkreisen als Druckmittel. Der Mit-Investor wolle die Stadt zu einer schnellen Entscheidung in Sachen Naturkundemuseum bewegen. Denn so liegt das Urteil über das Schicksal des Wolkenkratzers am Ende wieder genau dort, wo Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) es nicht haben wollte – bei der Stadt.
Kühne ist Teil des Konsortiums von Unternehmer Dieter Becken, der das Grundstück und den Elbtower-Stummel kaufen will. Doch die Zeit drängt: Bis Ende April verhandelt Becken exklusiv mit Insolvenzverwalter Torsten Martini.
„Unter der Annahme einer zügigen Vermietung an das Naturkundemuseum sowie einer Vermietung von bis zu rund 15.000 Quadratmetern an einen Hotelmieter wären gut 50 Prozent der Gesamtmietflächen vermietet”, sagte Becken diese Woche im Gespräch mit der MOPO. Heißt: ohne das Museum kein Weiterbau des Elbtowers.
Elbtower: Liegt das Risiko jetzt wieder bei der Stadt?
Das weiß auch Kühne, der auf den letzten Metern Zweifel an dem Projekt sät. „Ich glaube nicht, dass es sich realisieren lässt”, sagte Kühne im „Spiegel”. Dann wirft er der Stadt in der „FAZ” vor, dem Projekt kritisch gegenüberzustehen, weil sie sich nicht festlegt, ob das Naturkundemuseum als Ankermieter in den Elbtower einziehen soll. „Das ist eine Henne-Ei-Situation”, so Kühne. „Weil man mit der Vermietung nicht richtig vorankommt, ist auch die Basis der Finanzierung zu dünn.”

Jetzt liegt die Entscheidung über die Zukunft des Projekts also genau dort, wo Bürgermeister Tschentscher sie nie haben wollte: „Die Stadt wird keine offenen Rechnungen übernehmen“, sagte er stets und dass das Risiko allein bei den privaten Investoren liege.
Elbtower: Hamburg muss sich entscheiden
Womöglich ist zwar der Zeitdruck nicht so groß, wie behauptet: Die Exklusivitätsvereinbarung zwischen Becken und Martini könnte theoretisch auch über den April hinaus verlängert werden – die Stadt befindet sich allerdings auch ohne Zeitdruck in einer Zwickmühle: Wenn sie sich gegen das Naturkundemuseum im Elbtower entscheidet, ist die Fertigstellung massiv gefährdet. Sollte die Stadt eine Zusage für das Museum im Wolkenkratzer geben, könnte es heißen: Der Druck war zu groß und am Ende fließen doch auf die ein oder andere Weise städtische Gelder in den Turm.
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Die Prüfung über einen Einzug des Naturkundemuseums dauert nach Angaben der Wissenschaftsbehörde noch an, sie soll im Laufe des Aprils abgeschlossen sein. Die Zweifel von „Dritten” werden vom Senat nicht kommentiert. In Behördenkreisen hält man Kühnes Aussagen für ein durchschaubares Manöver, um Druck aufzubauen.
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