Drinks mit Karte bezahlen – in einer Hamburger Bar geht das nicht mehr anders.

Drinks mit Karte bezahlen – in einer Hamburger Bar geht das nicht mehr anders. Foto: IMAGO/Pond5

Kein Bargeld mehr in Hamburger Szene-Bar – Betreiber kassiert heftige Kritik

Edle Tropfen ab jetzt nur noch ohne Cash: Das„Le Lion“ in der Rathausstraße City gilt als eine der exklusivsten Bars der Stadt – doch das gehobene Publikum kommt hier ab sofort nur noch mit Kartengeld weiter, Inhaber Jörg Meyer hat die Bargeld-Zahlung abgeschafft. Nicht alle Fans der Edel-Bar finden das gut – und griffen den Drink-Maestro wegen der Entscheidung heftig an.

„Kurz gesagt: Ich möchte das Bargeld als Zahlungsmittel in meiner Bar Le Lion abschaffen“, schreibt Meyer in seinem Newsletter „7cl Business“, in dem er regelmäßig über seine Bar und verschiedene Themen des Gastro-Unternehmertums berichtet. Er begründet den Schritt, der in den nächsten Wochen umgesetzt werden soll, vor allem mit Corona und der Inflation. Die Krisen hätten der Gastronomie stark zugesetzt. Zwar gehe es der „Le Lion“ gut und die Bar sei weiterhin gut von trinkfreudigen Gästen besucht. Aber: Auch er müsse an seinen Kosten arbeiten.

„Le Lion“: Keine Zahlung per Bargeld mehr

„Ich muss mein Unternehmen schützen, die Arbeitsplätze meiner Mitarbeiter erhalten und schlichtweg meine Existenz vor dem Finanzamt und einer staatlichen Willkür namens ,Bargeldintensiver Branche‘ sichern“, so Meyer. Konkret erklärt der Unternehmer weiter, was „bargeldintensiv“ bedeute: Bars stünden deswegen unter besonderer Beobachtung der Finanzämter. Die Behörden dürften somit diese Art von Betrieben rechtlich „anders“ behandeln, vor allem um Schwarzgeld und Geldwäsche zu bekämpfen.

„Le Lion“-Betreiber Jörg Meyer. Hier mit einem Espresso Martini. Instagram/lelionbar
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„Le Lion“-Betreiber Jörg Meyer. Hier mit einem Espresso Martini.

Folge: Die Unschuldsvermutung darf aufgehoben werden. Heißt für Gastro-Betriebe, in denen viel Bargeld umgesetzt wird, dass das Amt einen Steuerbetrug nicht nachweisen müsste, wie es sonst der Fall ist. Das Finanzamt dürfe den Umsatz schätzen, und der Gastronom sei in der Pflicht, seine Unschuld zu beweisen, so Meyer. „Andernfalls zahlst du.“

„Le Lion“-Betreiber Jörg Meyer: Bargeld hat nur Nachteile

Für Meyer und sein Team bedeutet das vor allem eine akribische Buchhaltung, er erläutert dazu: „Wenn du deine Buchhaltung zum Thema Bargeld nicht mit einer unglaublich aufwendigen Dokumentation im Griff hast, kann deine Buchhaltung verworfen werden.“ Sobald das der Fall sei, habe man als Barbetreiber keine Rechtssicherheit mehr. „Es liegt dann in der Hand der prüfenden Person, wie das ausgelegt wird.“

Jörg Meyer zieht für seinen Betrieb daraus den Schluss, dass sich „der absurde Aufwand an Dokumentation“ sowie die Gefahr der Buchhaltungsverwerfung für die Bargeld-Option nicht lohne. Zudem habe Bargeld für ihn weiter Nachteile: Es müssten immer Mengen an Wechselgeld da sein, für deren Ausgabe Banken mittlerweile auch Gebühren kassieren. Zudem koste ein Safe Geld.

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Der Gastronom, der den Kult-Drink Gin Basil Smash erfand und 16 Mitarbeiter in seiner Bar beschäftigt, stehe zu seinem Entschluss, wie er weiter ausführt: „Endlich Bargeld abschaffen und die fragwürdige Ungerechtigkeit, mit der Finanzämter Gastronomien bewerten dürfen, umschiffen.“ Auch wenn nicht alle dies nachvollziehen könnten. „Nach wenigen Stunden kamen schon zwei, drei recht harte Anfeindungen per Direktnachricht“, berichtet Meyer in seinem Newsletter. „Man bezeichnete mich als Loser, meinte, es wäre meine Pflicht, für Freiheit statt staatlicher Überwachung zu ,kämpfen‘, und dass man meine Bar jetzt meiden würde.“ (alp)

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