Mitten auf St. Pauli: Schiff als Riff: Alster-Schute wird Kinderstube für Fische
St. Pauli –
Es gibt sie vor Hawaii, vor Florida und auch in anderen Meeren: Schiffswracks, die absichtlich als künstliches Riff versenkt werden, damit Fische und Korallen ein zu Hause haben. Jetzt hat Hamburg etwas ähnliches auch auf der Alster: Eine alte Schute wurde unter Wasser „ausgeräumt“, damit Fleet-Fische dort leben und laichen können.
Eine mehr als 20 Meter lange Schute liegt im Alsterfleet auf St. Pauli fest vor Anker. Jeder Laie erkennt auf den ersten Blick, dass sie nicht mehr für Transporte eingesetzt wird. Denn auf dem Lastkahn wuchern schon meterhoch die Weiden und es blühen überall Sumpf-Schwertlilien, wo sonst Schüttgut gelagert wurde.
Bienen und Schmetterlinge nutzen das Nektarangebot im sonst kargen Beton-Stadtgebiet. Im Stockwerk darunter brüten bereits Enten gut versteckt im dichten Röhricht.
Noch spannender ist es im „Keller“, dem Schiffsrumpf. Denn der Bereich unter Wasser – auch der Boden – wurde für das Projekt „Grüne Schute“ aufgeschnitten und ausgeräumt. Jetzt können dort Fische aus dem Fleet direkt hineinschwimmen, hier laichen, sich verstecken und Futter suchen. Ziel ist es, dass die Schute sich zu einem wertvollen Lebensraum im Fleet entwickelt.
Alsterfleet in Hamburg: Kein schöner Ort für Fische
Denn das wäre dringend nötig. Die Alsterfleete sind laut Fachleuten ein extremer Lebensraum mit steilen, künstlichen Ufern. Wasserpflanzen und Röhrichte sucht man vergeblich, hinzu kommen teils extreme Strömungsverhältnisse.
Dagegen hilft das Schiff als Riff. Überall in den Meeren der Welt wurden mittlerweile ausrangierte Schiffe derart genutzt. Oft werden sie sogar gezielt versenkt.
Grüne Schute: Für eine lebendige Alster
Lange Zeit konnten Fische auch überhaupt nicht zum Laichen ziehen, wenn sie aus der Alster stammen. Denn Schleusen und Wehre verhinderten, dass sie von der Alster in die Elbe schwimmen. Damit das wieder möglich ist, wurden zwei Fischtreppen an der Mühlenschleuse und der Rathausschleuse gebaut.
Aber die Schute soll nicht nur gut für Tiere und Pflanzen sein. Sie gehört zum Projekt „Lebendige Alster“ und soll auch den Hamburgern einen Einblick in die Natur bieten. Vor allem Schulklassen sollen auf der Schute über die Ökologie des Alster-Gewässers aufgeklärt werden. Es soll aber auch „Tage der offenen Schute“ für alle Interessierten geben.