Der Rechtsextremist Martin Sellner (35) will sich gegen ein mögliches Einreiseverbot juristisch wehren.

Der Rechtsextremist Martin Sellner Foto: IMAGO/Alex Halada

Ösi-Rechtsextremist will Hamburg besuchen – und provoziert vorher

Am Donnerstagabend hat er für Tumulte in Berlin gesorgt, nun nimmt der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner Kurs auf Hamburg. Neben der Rickmer Rickmers und der Kneipe „Goldener Handschuh“ stehen auch das „Café Gnosa“, Treffpunkt der LGBTQI+-Szene in St. Georg, auf der „Sightseeing“-Liste des Neonazis. Doch letzteres reagierte prompt und wies den Kopf der „Identitären Bewegung“ entschieden zurück.

Bereits am 5. Februar verkündete der rechtsextreme Aktivist über „X“, dass er vor einem Auftritt in Kiel am 2. März einen kleinen Abstecher nach Hamburg machen wolle. „Gibt es dort ein empfehlenswertes Cafe oder Restaurant, das lokale Spezialitäten wie Fischbrötchen anbietet?“, schrieb er dort. Seine Anhänger ließen sich nicht lange bitten und schlugen ihm provokante Adressen vor. Das Luxus-Hotel „Louis C. Jacob“ in Nienstedten sei „ne super Location“, schrieb ein User. Vor wenigen Wochen wies hatte das Hotel AfD-Chefin Alice Weidel abgewiesen, die rechte Szene kochte. Deshalb solle auch er sich unter seinem „Nom de Guerre (Kampfname)“ dort melden, wie ein anderer schreibt. 

Nach unzähligen Vorschlägen verkündete Sellner seinen Unterstützern über den Messengerdienst „MSLive+“, er wolle „Rickmer Rickmers, Cafe Gnosa oder Goldener Handschuh“ aufsuchen. Das Café wehrt sich direkt gegen den ungebetenen Besuch: „Angesichts der Gerüchte im Internet, dass Neonazis planen, unser Café am kommenden Samstag zu besuchen, möchten wir gerne unsere Position klarstellen: Wir lehnen jegliche Form von Neonazi-Ideologie, antidemokratischen Aussagen und die Unterstützung von rechtsextremen Politiker:innen ab“, steht in einer Stellungnahme des bekannten Cafés, das in den sozialen Medien verbreitet wurde.  

Auf Anfrage der MOPO heißt es von dem Café, dass es den Plan des Rechtsextremen nicht verstehen kann: „Seit 86 Jahren stehen wir für Vielfalt und Toleranz. Wir verstehen nicht, warum es Sellner gerade zu uns zieht, außer um zu provozieren.“ Damit keine falschen Assoziationen entstehen, habe man die Stellungnahme auf Instagram veröffentlicht und die Polizei informiert, doch die könne „erst was machen, wenn was passiert.“

Antifa gegen Rechtsextreme – Tumulte bereits in Berlin

Auf der „Rickmer Rickmers“ sei indes keine Reservierung auf den Namen Sellner hinterlegt, aber „es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der vorbeikommt“, teilt die Veranstaltungsstätte auf Anfrage der MOPO mit. 

Polizei vor einem Lokal im Berlin. Sellner hat am Donnerstag eine Lesung abgehalten. picture alliance/dpa | Manuel Genolet
Demo gege Rechtsextremisten Sellner in Berlin
Polizei vor einem Lokal im Berlin. Sellner hat am Donnerstag eine Lesung abgehalten.

Am Donnerstagabend kam es bei einem Vortrag Sellners in Berlin-Wilmersdorf bereits zu Tumulten. Teilnehmer der rechten Veranstaltung sollen auf ihrem Weg etwa von einer Antifa-Gruppe verfolgt worden sein. Nach Informationen des „Tagesspiegels“ kam es vor dem Lokal zu Handgreiflichkeiten. Zudem sollen Gegendemonstranten vor dem Eintreffen der Polizei Pfefferspray in das Restaurant gesprüht haben. Eine Spontandemo von rund 100 Menschen sei vor dem Lokal entstanden.

Antifa in Kiel kündigt Gegenproteste an

Für die Veranstaltung am Sonntag in Kiel, dessen genauer Ort noch unbekannt ist, hat die Antifa in Kiel bereits Gegenproteste angekündigt. „Sollte der Ort bekanntgegeben werden, werden wir dorthin mobilisieren, denn: Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“, heißt es in einer Mitteilung. 

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Sellner ist seit Jahren als einer der prägendsten Akteure der europäischen rechtsextremen Szene bekannt. Am 25. November 2023 nahm er mit weiteren Rechtsextremisten an einem Treffen in Potsdam teil. Laut Recherchen des Investigativportals „Correctiv“ präsentierte er dort einen „Masterplan zur Remigration“. In der Runde wurde über die gewaltsame Vertreibung von Ausländern und deutschen Staatsbürgern mit „ausländischen Wurzeln“ aus Deutschland debattiert. Die Enthüllungen sorgten bundesweit für Empörung.

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