Die „Quattro-Streife“ am Hauptbahnhof bei einer Großkontrolle am Hamburger Hauptbahnhof.

Die „Quattro-Streife“ am Hauptbahnhof bei einer Großkontrolle. Foto: RUEGA

„So schlimm wie noch nie“: Bewohner von St. Georg beklagen Drogen und Kriminalität

Am Mittwoch besuchte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zusammen mit Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) den Hamburger Hauptbahnhof, um sich ein Bild von der Sicherheit vor Ort zu machen. Gleichzeitig beklagt eine Hamburger Bürgerinitiative die Verlagerung der Rauschgiftkriminalität aus dem Umfeld des Hauptbahnhofs in die angrenzenden Wohngebiete im Stadtteil St. Georg.

„Seit anderthalb Jahren ist es so schlimm wie noch nie“, sagte Initiativen-Gründer Tobias Stempien. Durch die verstärkten Kontrollen von Polizei und Sicherheitsdiensten am Hauptbahnhof hielten sich die Süchtigen verstärkt in dem Wohngebiet auf.

Hamburger Initiative fordert Politik zum Handeln auf

„Wir spüren jeden Tag ein Defizit an Sicherheit“, sagte Mitgründer Stefan Wiedemeyer. Die Bewohner des Viertels stellten ein zunehmend aggressives Verhalten auf der Straße fest. An der Außenalster rüsteten sie ihre Wohnungen auf, eine Kita habe ihr Gelände in St. Georg mit Nato-Draht gesichert.

Nach Beobachtung der Initiative nehmen die Süchtigen Heroin, Crack – eine rauchbare Form von Kokain – und auch Fentanyl. Das synthetische Opioid ist ein extrem potentes Schmerzmittel, das immer häufiger als Droge missbraucht wird und in den USA schon zu Zehntausenden Todesfällen geführt hat. Besonders der Mix dieser Drogen mache die Konsumenten aggressiv. Die Beschaffungskriminalität nehme zu, vor allem Fahrrad- und Ladendiebstähle. Die Einwohner von St. Georg empfänden Angst, Ekel und Hilflosigkeit.

Seit dem 7. Januar können sie ihre Erlebnisse auf der Plattform der Initiative berichten. Wiedemeyer und Stempien fordern, dass sich die Politik zusammensetzt und ein Lösungskonzept erarbeitet. Für Hamburgs Polizei finden die beiden lobende Worte: „Die Polizei macht wirklich einen tollen Job“, betont Stempien.

St. Georg gilt als Kriminalitätsschwerpunkt in Hamburg

St. Georg gilt als Kriminalitätsschwerpunkt. Nach Angaben des Senats nahm die Gewaltkriminalität im ersten Halbjahr 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 33 Prozent zu. Die Zahl der Schusswaffendelikte stieg von sechs auf zehn, die Zahl der Messertaten von 68 auf 82, also um 20,6 Prozent.

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Als wesentliche Ursache des Anstiegs nennt der Senat die erhöhte Polizeipräsenz in der Innenstadt unter anderem im Rahmen der „Allianz sicherer Hauptbahnhof“, wodurch mehr Taten zur Anzeige kämen.

Gewaltkriminalität am Hauptbahnhof gesunken

Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Innensenator Andy Grote (beide SPD) trafen sich am Mittwoch mit Vertretern der „Allianz sicherer Hauptbahnhof“, zu der die Bundes- und Landespolizei sowie die Sicherheitsdienste von Deutscher Bahn und Hochbahn gehören.

Die sogenannten Quattro-Streifen der vier Beteiligten zeigten Wirkung, teilte der Senat anschließend mit. Faeser erklärte, dass die Zahl der Gewaltdelikte um rund 25 Prozent zurückgegangen sei. Die Bundespolizei zählte demnach im vergangenen Jahr 546 Gewaltdelikte, nach 720 im Jahr 2023.

Die Bundespolizei ist allerdings nur für den Bahnhof zuständig, nicht für den Stadtteil. Am Donnerstag stellten Grote und Polizeipräsident Falk Schnabel die Kriminalstatistik der Hamburger Polizei für 2024 vor.

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