Prozess gegen wegen Mordserie angeklagtem Soldaten

Der Angeklagte sitzt neben seinen Verteidigern Daniela Post (l.) und René Lancker (r.) im Gerichtssaal vom Landgericht Verden. Foto: picture alliance/dpa/Sina Schuldt

Er tötete vier Menschen: Jetzt spricht die Ex des Killer-Soldaten

Florian G. tötete den neuen Freund seiner Ex-Frau, dessen Mutter, die beste Freundin der Ex und ihr dreijähriges Kind. Kaltblütig. Er habe sich „gefühlt wie im Einsatz: rein, suchen, vernichten“, sagte der Soldat über die Bluttat vom 1. März 2024 in Rotenburg (Wümme). Der Fall wurde vor wenigen Wochen verhandelt. Nun spricht die Ex-Frau des Soldaten erstmals öffentlich.

Es war einer der grausamsten Morde des vergangenen Jahres: Soldat Florian G. nahm seiner Ex-Frau auf brutalste Art und Weise die Menschen, die ihr nahe standen, unter anderem ihre beste Freundin samt dreijähriger Tochter. Im NDR-Format „Panorama 3” spricht die Ex des Soldaten erstmals öffentlich vor der Kamera über die Tat, eine weitere Hinterbliebene macht den Behörden schwere Vorwürfe.

„Für mich hat es so gewirkt, als ob es für ihn in Ordnung war mit der Trennung”

Juliane S. lernte Florian G. 2018 kennen, heiratete ihn und gründete mit ihm eine Familie. Florian G. soll sich nach und nach zurückgezogen haben. Die Ehe kriselte. Während der zweiten Schwangerschaft 2023 trennte sich Juliane S. von ihrem Mann, begann eine Beziehung zu Jugendfreund Nils O.. „Umgang mit den Kindern, den Unterhalt, das Haus. Für mich hat es so gewirkt, als ob es für ihn in Ordnung war mit der Trennung“, sagte sie dem NDR-Magazin.

Doch das war nicht die Realität. Vor Gericht gab G. an, er habe an Suizid gedacht, suchte aber aus Angst um Job und Waffenlizenz keine Hilfe. Anfang 2024 versuchten er und Juliane S. es erneut, doch als er einen Tag zu früh von einem Lehrgang nach Hause kam und sie mit Nils O. sah, eskalierte die Situation. „Der Typ hat drei Minuten, um zu verschwinden, sonst passiert noch was“, drohte er laut Gerichtsprotokoll. Daraufhin erstattete Nils O. Anzeige wegen Bedrohung, Juliane S. sagte als Zeugin aus.

„Man hätte die Waffen ja eventuell einziehen können”

Bei der Anzeige gaben Juliane S. und Nils O. auch an, dass Florian G. Waffen besitze. Diese Information gaben die Beamten aber nicht an die Waffenbehörde weiter, wie das niedersächsische Innenministerium auf Anfrage des Magazins einräumte. Ein Fehler, wie das Innenministerium mittlerweile zugibt. Als Konsequenz soll es künftig eine verpflichtende Melderegelung geben.

Noch am Tag der Anzeige suchten Beamte Florian G. auf und führten mit ihm eine „Gefährderansprache” durch, die letztlich genau das Gegenteil von dem bewirkte, was sie bewirken sollte. Dass G. Waffen besitzt, war den Beamten nicht bekannt. Andrea O., Ex-Frau von Nils O., erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Behörden: „Das hätten Leute überleben können, wenn ihr euren Job richtig gemacht hättet. Man hätte die Waffen ja eventuell einziehen können”, sagte sie zu „Panorama 3”.

Florian G. zeigt keine Reue für den mehrfachen Mord

„Die Menschen, die ich verantwortlich mache, sind nicht mehr da. Seitdem kann ich besser schlafen und essen”, sagte G. vor Gericht. Nur den Tod der dreijährigen Ronja habe er nicht gewollt. Er habe die Menschen mit in den Tod nehmen wollen, die er für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich machte.

Das könnte Sie auch interessieren: Kleinkind (2) bei Raser-Unfall getötet: Mordanklage – und eine Forderung der Familie

„Ich hätte niemals damit gerechnet, dass er mir die Menschen nimmt, die mir wichtig sind”, sagt Juliane S. in dem Beitrag. Sie ist seitdem in psychologischer Behandlung. Florian G. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, das Gericht stellte zudem eine „besondere Schwere der Schuld” fest, wodurch G. aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vorzeitig entlassen werden kann. Die Verteidigung von G. hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test