Gefangen, gequält, ausgebeutet: Zoll hebt Sklaverei-Fabrik aus
Fensterlose Zimmer, verschimmelte Schlafplätze und Wände, zugesperrte Türen: In Neumünster hat der Zoll in einer Fabrikhalle menschenunwürdige Zustände aufgedeckt.
Fast 80 Zöllnerinnen und Zöllner hatten Wohn- und Geschäftsräume, das Firmengelände und eine Baustelle eines Unternehmers auch wegen des Verdachts der Schwarzarbeit durchsucht, wie das Hauptzollamt Kiel mitteilte.
Über Monate: tagtäglich 13 Stunden Zwangsarbeit
Dabei sei eine Person befreit und der 52 Jahre alte Verdächtige festgenommen worden. Ihm werde vorgeworfen, mehrere Rumänen unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und dann in der Fabrikhalle eingesperrt und ausgebeutet zu haben. Einer der Arbeiter konnte flüchten, alarmierte die Polizei und brachte so die Ermittlungen ins Rollen.

Er und seine Kollegen sollen bis zu drei Monate lang oft 13 Stunden am Tag unter ständiger Beobachtung gestanden und zur Arbeit gezwungen worden sein. Dabei habe es keine geregelten Pausen und nur minimale Verpflegung gegeben. Im Anschluss wurden sie zurück zur Fabrik gefahren und dort eingesperrt.
Schlafplätze in einem „unzumutbaren, teils stark verschimmelten Zustand“
Der 52 Jahre alte Verdächtige soll die Arbeiter auch mit körperlicher Gewalt unter Kontrolle gehalten haben, er bezahlte ihnen den Angaben zufolge wohl keinen Lohn und führte auch keine Steuern oder Sozialabgaben ab.
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Am Donnerstag wurden schließlich die Räume und das Gelände durchsucht. „Die vorgefundenen, für bis zu zehn Personen bereit gehaltenen Schlafplätze waren in einem unzumutbaren, teils stark verschimmelten Zustand“, sagte Robert Dütsch, Leiter des Hauptzollamts Kiel, laut Mitteilung. Und damit nicht genug. Auch auf der Baustelle gab es mehrere Mängel, die Arbeitsschutzbehörde legte sie sofort still. (dpa/mp)
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