„Oklahoma“ im Thalia: Was dann folgt, ist ein Albtraum …
„Das große Theater von Oklahoma ruft euch!“, heißt es in Franz Kafkas Roman „Amerika/Der Verschollene“, kurz bevor das Text-Fragment abbricht. Wo bei dem Schriftsteller Schluss ist, fängt im Thalia in der Gaußstraße der Zirkus erst an (Regie: Lorenz Nolting). Und wie!
Erst steht Gabriela Maria Schmeide als Hauptfigur Karl Roßmann allein auf der Bühne und schaltet das Licht durch Fingerschnipsen an und aus: die Magie des Theaters! Dann überlässt Karl einer bunten Truppe aus sechs Darsteller:innen das weite Feld der Prärie. Was nun eine Stunde lang folgt, ist ein Albtraum – und eine gewollte Attacke auf unsere Sinne.
Verstörende Bilder und Töne
Das Ensemble spricht erst mal gar nicht, später mal ein einzelnes „Entschuldigung“. Stattdessen grunzen, quietschen, kreischen die Figuren, während sie Szenen der Kolonisierung von „God’s Own Country“ spielen. Dazu dröhnt und knallt es aus den Boxen. Und auf der Leinwand im Hintergrund blitzen Fotos für den Bruchteil einer Sekunde auf: Hitlergruß-Musk, KKK, Soldaten.
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Alles verstörende Bilder, die den Zusammenbruch der Zivilisation und unserer Lebensgrundlage anreißen: Es ist der Albtraum Amerikas und der Albtraum Karl Roßmanns. Der steht am Rand und betrachtet entsetzt das Geschehen, bevor er einen kleinen Abschlussmonolog halten darf. Kurz: Bei „Oklahoma“ passen Form und Inhalt durchaus zusammen. Aber wir müssen alle ganz stark sein!
Thalia in der Gaußstraße: 2.3., 19 Uhr, 28 Euro, Tel. 32814444, thalia-theater.de

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