„Oh, wie ist das schön!“ HSVH düpiert Spitzenreiter – und hält Fan-Liebling
Ungeschlagen – das war der HSVH seit dem Erstliga-Aufstieg im Jahr 2021 bei allen Heimspielen gegen die MT Melsungen. Dreimal kamen die Nordhessen in den vergangenen Jahren nach Hamburg, und dreimal reisten sie mit einer Pleite ab. Und dafür hat die Mannschaft von Trainer Torsten Mannschaft nun wieder gesorgt – auf furiose Art und Weise! Der HSVH siegte am Donnerstag überraschend klar und zur Riesen-Begeisterung der Zuschauer in der Sporthalle mit 42:32 gegen den alten, überforderten Bundesliga-Spitzenreiter. Die schönste aller schönen Nachrichten gab es aber schon vor der Gala: Ein Leistungsträger hat seinen Vertrag verlängert.
Es war noch gar kein Tor gefallen, da jubelten die Fans in der Sporthalle schon. Um 18.52 Uhr wurde verkündet, dass Frederik Bo Andersen seinen bis 2026 laufenden Vertrag vorzeitig bis 2028 verlängert hat. „Ich fühle mich sehr wohl hier in Hamburg, und viele der Menschen, die ich hier kennengelernt habe, sind mittlerweile gute Freunde von mir“, sagt der dänische Rechtsaußen, der das Interesse mehrerer Vereine auf sich gezogen hatte. „Das gesamte Umfeld passt perfekt und ich sehe, dass der Verein auf einem guten Weg ist.“ Deshalb sei sein Entschluss „klar“ gewesen.
Frederik Bo Andersen verlängert HSVH-Vertrag bis 2028
Die MOPO hatte schon im November über die HSVH-Pläne mit Andersen berichtet. Und nun sagt Sportdirektor Jogi Bitter: „Er ist ein super wichtiger Baustein unserer Mannschaft und ein Publikumsliebling.“ Einer, der noch viel vor hat in Hamburg: „Wir wollen gemeinsam wachsen und uns immer verbessern“, sagt der 26-jährige Andersen. „Wenn alles gut läuft, hoffe ich, dass wir in der Zukunft nicht nur guten Handball zeigen, sondern vielleicht auch in der Tabelle ein bisschen nach oben schauen können.“ An diesem Donnerstag sprang der HSVH auf den zehnten Platz.

Bei Hamburgs Handballern wusste man, was eigentlich auf sie zukommt. „Sie sind eine absolute Top-Mannschaft“, sagte Casper Mortensen vor der Partie über Gegner Melsungen. „Wir sind klarer Underdog.“ Das aber war in der mit 3692 Zuschauern gefüllten Sporthalle von Beginn an überhaupt nicht zu sehen. Mortensen per Siebenmeter und Kreisläufer Niklas Weller sorgten für ein schnelles 2:0 (2.), den ersten Rückstand gab es erst nach sieben Minuten (4:5). Im Anschluss an eine Zwei-Minuten-Strafe für Linksaußen Alexander Ludwig erhöhte Melsungen zwar auf 5:8 (10.) – binnen sieben weiterer Minuten drehten die Hamburger das Spiel jedoch in ein 10:8, ohne ein Gegentor zu kassieren (17.). Die Folge: beste Stimmung, gepaart mit „Axel“-Sprechchören für den verletzten Dominik Axmann.
HSVH führte zur Pause mit 19:17 gegen die MT Melsungen
Andersen, der zunächst auf der Bank Platz nahm, versenkte auch seinen zweiten Siebenmeter (11:9/18.). Erst nach 22 Minuten lag der HSVH mal wieder zurück (12:13), doch er blieb dran gegen den favorisierten, aber personell sehr gebeutelten Tabellenersten. Die Führung wechselte minütlich (14:13/23.; 14:15/25.; 16:15/26.). Und als Mortensen auf 17:15 stellte, nahm MT-Coach Roberto Garcia Parrondo die erste Auszeit (27.). Brachte aber nichts aus Gäste-Sicht, denn: Das Jansen-Team nutzte ein Kempa-Trick von Levin Unbehaun auf Mortensen zur ersten Drei-Tore-Führung (18:15/28.), bevor HSVH-Keeper Robin Haug mit seiner vierten Parade ein starkes 19:17 zur Pause rettete.

Danach lief Moritz Sauter heiß. Hamburgs Nummer 33 besorgte per Doppelschlag die erste Vier-Tore-Führung und Jacob Lassen legte noch einen drauf (22:17/33.). Andersen brachte auch seinen vierten Siebenmeter im Kasten unter und der HSVH lag mit sechs, dann sogar sieben Toren in Führung (25:19/37.; 26:19/38.). Leif Tissier stellte auf 28:20 (41.), Lassen auf 29:20 (42.), Sauter auf 30:20 (43.). Es ging einfach so weiter – zur Begeisterung der Fans. Sie erhoben sich und schüttelten teilweise den Kopf, als Lassen das 32:21 markierte (44.). Motto: Was ist denn hier los? Der HSVH furios, offensiv wie defensiv – und Melsungen völlig überfordert. Die Hamburger ließen nichts mehr anbrennen, Sauter brillierte und traf wie am Fließband (36:24/50.), Tissier und Unbehaun ragten ebenfalls heraus.
Sauter brilliert – Hamburgs Handballer verzücken die Fans
„Oh, wie ist das schön, oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen!“, schallte in der 57. Minute durch die Sporthalle (39:29). Der erst 18-jährige Valentin Weyer erzielte mit dem 40:29 seinen ersten Bundesliga-Treffer. Rückraum-Ass Sauter, der beste Torschütze der Partie, traf insgesamt achtmal für den HSVH – und Azat Valiullin, der den Verein im kommenden Sommer verlassen wird, sowie Tissier stellten den klaren Endstand her (42:32/60.). Unbehaun wurde zum Spieler der Partie gewählt und nach dem Spielschluss vor die trommelnden Anhänger zitiert. Einer der so vielen Glücksmomente an diesem Handball-Abend, mit dessen Verlauf nicht wirklich zu rechnen war.
Dem konnte auch Jansen nicht widersprechen. „Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, was wir heute geleistet haben – überragend“, resümierte Hamburgs Coach. „Alle Attribute, die man benötigt, haben wir heute auf die Platte gebracht. Nahezu alle Dinge, die wir im Plan hatten, sind aufgegangen. Ich kann nur ein Riesenkompliment an meine Mannschaft machen.“ Denn die habe all ihr Herzblut investiert, ergänzte Jansen, während sein Gegenüber bedient war. „Hamburg war heute viel, viel besser als wir. Es war unser schlechtestes Spiel der Saison“, musste Melsungens Trainer Garcia Parrondo einräumen, der die personelle Situation beklagte, allerdings nicht als Ausrede nutzen wollte.
HSVH-Trainer Jansen: „So einen Tag wünscht man sich“
Beim HSVH, bei dem sich zuletzt auch noch Axmann schwer verletzt hatte, sah es schließlich nicht anders aus. „Wir waren voll da und haben den Jungs, die uns verletzt noch länger fehlen werden, ein Geschenk gemacht“, freute sich Jansen. „Alles in allem: So einen Tag wünscht man sich jede Woche. Aber es ist ja nicht jede Woche Weihnachten.“
Tore HSVH: Sauter (8), Tissier (7), Unbehaun (6), Lassen (5), Weller (4), Andersen (4/4), Mortensen (3/1), Magaard (2), Valiullin (2), Weyer (1)
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.