Andy Grote neben Volker Bouffier

Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote (r.) mit Volker Bouffier, Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Foto: WITTERS

Lob vom DOSB: Hamburg startet Nord-Offensive für Olympia – neues Stadion?

Ohne Berlin und mit neuem Elan treibt Hamburg seine Pläne für die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele voran. Mit einem veränderten Konzept geht die Hansestadt in den Endspurt der erste Phase des Rennens der vier deutschen Bewerber und sieht sich mit einem veränderten Konzept und neuer Ausrichtung gut aufgestellt. Sind die Chancen durch die geplatzte Zusammenarbeit mit der Hauptstadt sogar gestiegen?

Der Wunsch und Wille, Gastgeber für das größte Sportfest der Welt zu sein, ist da. „Wir gehen in Hamburg mit großer Unterstützung und Begeisterung rein“, bekräftigte Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote am Donnerstagabend auf dem Netzwerk-Event „Active City Afterwork“ am Rothenbaum die Ambitionen. Derzeit wird noch fleißig an der Ausarbeitung des modifizierten Konzepts gearbeitet, nachdem eine gemeinsame Bewerbung mit Berlin geplatzt war.

Olympia: Hamburg setzt auf Norden, Schleswig-Holstein

Neue Ausrichtung: „Unsere Bewerbung wird sich auf Norddeutschland beziehen, auch Schleswig-Holstein wird eine große Rolle spielen“, erklärt Grote. „Mit dieser Konzeption arbeiten wir.“ Neben den Segelwettbewerben und Freiwasserschwimmen sollen auch in der großen Kieler Halle, in der die Handballer des THW Kiel spielen, Wettkämpfe stattfinden. Auch der Norden Niedersachsens soll mit eingebunden werden, etwa Luhmühlen (Vielseitigkeitsreiten) oder Winsen (Luhe) mit den bekannten „Green Eagle Golf Courses“.

Der Nord-Schwerpunkt mit Hamburg als Herzstück „macht Sinn“, so Grote zur MOPO. „Wir sind von unserem Konzept überzeugt.“ Dazu gehört auch das Flair von „Spielen am Wasser, maritim, mit sehr kurzen Wegen und einer Art Festivalcharakter“.

Wie löst Hamburg das Problem Leichtathletikstadion?

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Punkt. Es sollen so viele bestehende Sportstätten wie möglich genutzt werden, für nötige Neubauten soll es ein Nachnutzungskonzept geben und ansonsten will man – wie zuletzt bei den Sommerspielen in Paris 2024 – auf temporäre Wettkampfstätten, von denen viele „ins Stadtbild integriert werden“ sollen, wie Grote sagt. Das gelang in Paris hervorragend.

Was Hamburg fehlt ist ein Leichtathletikstadion. Das ist ein Hindernis. Es müsste ein Neubau her oder eine temporäre Lösung für mindestens 40.000 bis 50.000 Zuschauende, die in dieser Größenordnung außergewöhnlich wäre, aber andererseits auch die Chance für eine spektakuläre kreative Lösung böte.

DOSB-Vorstand Bouffier: „Hamburg kann das“

Der DOSB steht der Hamburger Bewerbung positiv gegenüber. „Hamburg kann das, davon bin ich überzeugt“, sagt Verbands-Vorstand Volker Bouffier, früherer Ministerpräsident von Hessen und Mitglied der sogenannten Steuerungsgruppe einer deutschen Olympiabewerbung. Der 72-Jährige, der mit Grote auf der Veranstaltung in der Talk-Runde zugegen war, betont aber: „Das sage ich auch in München.“ Was die Bemühungen der Hansestadt angeht, gab sich Bouffier wohlwollend, aber logischerweise unverbindlich.

Entscheidend ist für Hamburg, wie die Bevölkerung zu einer erneuten Bewerbung steht. Trotz des gescheiterten Referendums 2015 im Zuge der Bewerbung für Olympia 2024 wird der Senat einen zweiten demokratischen Anlauf wagen. Gleiches gilt für München. Berlin will dagegen kein Referendum durchführen, was die Chancen mindern könnte. Bei der Region Rhein/Ruhr ist ein Referendum strukturell schwer durchführbar.

Positives Referendum über Olympia ist entscheidend

„Wir müssen alle Hamburgerinnen und Hamburger überzeugen, dass es in der Stadt für Verbesserung sorgt“, sagt Grote zur Bewerbung. Das betrifft beispielsweise Infrastrukturprojekte für Olympia, die aber auch weit darüber hinaus der Bevölkerung zugute kommen. Je konkreter darüber schon vor dem Referendum gesprochen wird desto besser. Es muss vor allem weitaus besser gelingen als bei der letzten Bewerbung.

Dem DOSB ist eine breite Zustimmung in den Bewerberstädten wichtig – gerade nach dem Reinfall 2015. „Steht die Bevölkerung dahinter? Ein positives Referendum wäre ein Schub“, betont Bouffier. „Es müssen Spiele für Bürger werden. Die Menschen müssen sagen: das bringt uns was.“

Bouffier fordert: Olympia als Chefsache von Kanzler Merz

Aber auch die große Politik ist gefordert, weiß Polit-Profi Bouffier. „Wir brauchen ein Comnitement von ganz oben. Wenn man international reüssieren will, muss man von der Spitze werben – der Kanzler muss das machen und von vorne anführen.“ Eine klare Forderung an Parteifreund Friedrich Merz. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe das erfolgreich vorexerziert. 2015 fehlten Hamburg die totale Unterstützung und finanzielle Garantien der Bundesregierung.

Olympia sei kein Städte-, sondern ein Staatsprojekt, betont Bouffier. „Wir bewerben uns für Deutschland. Wir wollen Deutschland fit machen.“ Das ist längst nicht nur sportlich gemeint. Olympia sei „eine Chance, in vielerlei Hinsicht weiterzukommen.“ Bouffier ist der Meinung: „Deutschland braucht ein Zukunftziel, hinter dem sich alle versammeln können.“

Hamburgs Europa-Konkurrenz: Istanbul, Madrid, Budapest

Was das nicht unwichtige Kriterium „internationale Strahlkraft“ angeht, haben Berlin und München die Nase vorn. Insgesamt dürfte derzeit die bayrische Landeshauptstadt im nationalen Bewerberrennen in Front liegen. Aber das Rennen ist noch lang – und länger als zunächst geplant. Erst im „September oder Oktober 2026“ will der DOSB laut Bouffier entscheiden, welcher deutsche Bewerber ins Rennen für die Spiele 2036, 2040 und vielleicht auch 2044 geschickt wird.

Das IOC wiederum werde nicht vor 2027 entscheiden, so Bouffier. Er hält es für möglich, dass der Verband dann im Block die Ausrichter für zwei oder gleich drei Sommerspiele bekanntgibt. In diesem Fall hätte Deutschland „gute Chancen“, der europäische Ausrichter zu sein. Indien bewirbt sich für 2036, Ägypten will der erste Ausrichter auf dem afrikanischen Kontinent werden, Kapstadt ist auch immer wieder in der Diskussion.

Grote: Für und durch Olympia „den Arsch hochkriegen“

Deutschlands europäische Mitbewerber für die Ausrichtung der noch zu vergebenden Sommerspiele nach 2032 (Brisbane, Australien) sind derzeit Istanbul, Madrid und Budapest.

Grote erhofft sich einen Ruck in Hamburg und im ganzen Land, Aufbruchstimmung, und sagt kämpferisch: „Olympische Spiele können Verkrustungen auflösen wie dieses ewige ‚Nein, das geht nicht‘.“ Kernig formuliert er: „Einfach mal den Arsch hochkriegen, zu sagen: wir kriegen das hin! Wenn nicht Deutschland, welches Land sonst? Und welche Stadt, wenn nicht Hamburg?“

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