Deportiert nach Theresienstadt: Kinder und Greise aus Hamburg im Vorhof zur Hölle
Im Juli 1942 wurden rund 1700 Hamburger Juden nach Theresienstadt deportiert. Darunter viele ältere Menschen, aber auch die Schüler der Israelitischen Töchterschule sowie ihre Lehrer und Lehrerinnen.
Theresienstadt heute: Die Gleise liegen noch. Hier fuhren die Züge nach Auschwitz
Olaf Wunder
Heute ist Terezin wieder eine „normale“ Stadt
MOPO-Reporter besuchten diesen Ort – und waren erstaunt: Sie rechneten damit, dass es sich dabei um eine einzige große Gedenkstätte handelt. Aber Terezin, so der tschechische Name, ist wieder das, was es auch vor dem Zweiten Weltkrieg war: eine „normale“ Stadt mit „normalen“ Bürgern. Das beste Hotel ist übrigens das „Parkhotel“ – bis 1945 SS-Kameradschaftsheim. Ein Museum, das an das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte erinnert, gibt es natürlich auch.
Theresienstadt heute: Die verfallenen Kasernengebäude waren in der NS-Zeit überfüllt mit jüdischen Deportierten.
Olaf Wunder
MOPO-Reporter besuchen Theresienstadt
Erbaut wurde Theresienstadt im 18. Jahrhundert von Österreichs Kaiser Joseph II. als Bollwerk gegen die Preußen. Angegriffen wurde die Stadt allerdings nie.
Im Museum sind die furchtbaren Lebensumstände im Ghetto nachgestellt.
Olaf Wunder
Die Stadt ist umgeben von mächtigen Wehrmauern, Wassergräben und Bastionen – perfekt nicht nur, um Feinde abzuwehren, auch um darin Menschen einzusperren. Und das haben die Nazis für ihre Zwecke genutzt und aus der Stadt ein Ghetto gemacht.
Bis heute sind an den Mauern die alten Beschriftungen aus der Nazi-Zeit sichtbar.
Olaf Wunder
Ankunft im überfüllten Ghetto war ein Schock
Theresienstadt war ein einziger großer Nazi-Schwindel: Betagtere Juden mussten dafür bezahlen, dass sie in dieses angebliche Privilegierten-Ghetto einziehen „durften“. Für sogenannte „Heimkaufverträge“ zahlten die Leute ein Vermögen. Es werde dort gut für sie gesorgt, so das Versprechen.
Theresienstadt ist von Festungsmauern umgeben. Gebaut wurde die Garnisonsstadt als Bollwerk gegen die Preußen. Die Nazis verwandelten sie in ein riesiges Gefängnis.
Olaf Wunder
Die Ankunft im überfüllten hungernden Ghetto war dann ein großer Schock. Viele Gefangene mussten auf dem Boden schlafen, in überfüllten Räumen. In einer Festung, erbaut für 4000 Bewohner, pferchten die Nazis zeitweise bis zu 60.000 Menschen gleichzeitig ein.
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Nie gab es genug zu essen. Esther Bauer, eine Überlebende, sagt, der Hunger sei so groß gewesen, dass sich jeder über eine einzige Kartoffel gefreut habe, auch wenn sie verfault war.
90.000 Menschen wurden in die Vernichtungslager weitertransportiert
Umgeben von Mauern, Gräben und Bastionen: Theresienstadt. Der Plan enthält die Straßennamen und die Blockbezeichnungen aus der NS-Zeit.
hfr
Von 141.000 Inhaftierten starben 38.000 direkt in Theresienstadt. Fast 90.000 Menschen wurden weiter in Vernichtungslager verfrachtet und in der Regel dort gleich nach der Ankunft vergast. Nur rund 4000 Gefangene überlebten in diesem „Vorhof zur Hölle“.
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