• Zwei Mal 90 Minuten geben die Profis jeden Tag auf dem Trainingsplatz Vollgas.
  • Foto: WITTERS

Strenge Regeln und gute Laune: So läuft das Quarantäne-Trainingslager bei St. Pauli ab

Einzig die rot-weiße Absperrung weist darauf hin, dass hier, auf dem Gelände des Romantik-Hotels Aselager Mühle, so etwas wie ein Sperrgebiet beginnt. Fast niemand darf dort rein und da raus, wo sich der FC St. Pauli bis Saisonende zum Zwecke der Ansteckungsvermeidung aufhält. Genau dort, in diesem von der DFL angeordneten Wort-Ungetüm, dem Quarantäne-Trainingslager, war die MOPO zu Besuch.

Die Blase beginnt hinter dem Flatterband. Vögel zwitschern, Tauben gurren, leise rauscht ein Flugzeug über den Wald und alle paar Minuten schnauben und wiehern die Pferde des angrenzenden Hofes. Sonst herrscht Ruhe am Eingang des Lagers, in dem am Dienstag der FC St. Pauli samt Spielern, Trainern, Physios, Ärzten, Analysten und Medienabteilung abgestiegen ist und – mit kurzer Unterbrechung für das Spiel gegen Hannover am Sonntag – bis zum Ende kommender Woche bleiben wird. Was anmutet wie ein normales Hotel, dessen Betrieb eben in der Pandemie ruht, ist Teil des Plans, die zwei verbleibenden Spiele infektionsfrei durchzuführen.

FC St. Pauli: So läuft das Quarantäne-Trainingslager in Herzlake ab

Hinter der Mühle und dem Backstein-Bau samt Essenssaal und Schlafzimmern erstreckt sich das Trainingsgelände in einer Größe von gut zwei Fußballfeldern. Und da ist es vorbei mit der Ruhe, jedenfalls für grob gesagt zwei Mal 90 Minuten am Tag, exakt dann, wenn Training ist in Herzlake.

Dann schallt ein „Gut, Aurel!“ über den Rasen, weil Talent Loubongo-M’Boungou, das gelbe Leibchen zwei Nummern zu groß für seine schmalen Schultern, im Abschlussspiel mal wieder zwei erfahrene Kollegen stehen lässt. Dann schimpft Maximilian Dittgen lautstark und mit einem Ehrgeiz, als spiele St. Pauli gerade um den Aufstieg, über eine „Scheiß-Regel“, die ihm und seinem Team gerade im Vier-gegen-Vier auf große und kleine Tore einen Treffer gekostet hat.

Im St. Pauli-Trainingslager in Herzlake gelten strenge Vorschriften

„Normalerweise hätten wir am Ende so einer Woche im Trainingslager ein Testspiel, nun steht aber ein ernstes Spiel an“, erklärt James Lawrence, erschöpft von der intensiven Vormitttags-Einheit und gestärkt vom Mittagessen – am Mittwoch gibt es Lachs, Nudeln, Kartoffelbrei, Brokkoli, Kürbis und Möhren – den mitgereisten Medienvertretern per Zoom.

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Gute drei Stunden später, um 16 Uhr, steht die zweite Einheit an. Zuerst betreten die Profis den Platz, danach geleitet St. Paulis Medienchefin Anne Kunze die Reporter zu einer Stelle fernab der Spieler am Rande des Platzes. „Müsst ihr die Maske tragen?“, fragt Torwarttrainer Mathias Hain in Richtung der Reporter.

Trotz strengen Regeln: St. Pauli-Profis haben in Herzlake viel Spaß

So ist es. Das hat sich nicht St. Pauli ausgedacht, das ist Vorgabe der DFL. Niemand – keiner der Radler, die das Romantik-Hotel auf ihrer Tour passieren, kein Fotograf – darf auf Toilette, niemand auch nur mit dem Schuh den Ball berühren, den Hain gerade holt.

Die Spieler haben unterdessen ihren Spaß. Omar Marmoush schießt einen Ball gegen den orangefarbenen Krankorb, von dem aus Spielanalyst Jannik Niden auf Höhe der Baumwipfel des umliegenden Waldes das Training beobachtet, die Verlierer-Mannschaft eines Kopfball-Spiels schlägt unter den Augen des angeschlagenen Daniel-Kofi Kyerehs Purzelbäume. Und wäre nicht das Flatterband am Eingang, es hätte schon fast etwas von frühsommerlicher Fußball-Ausfahrt.

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